Nachtrag Necoclí – Dienstag, 12.03.19 Abend

Meine ganze saubere Wäsche war schmutzig. Ich musste dringend waschen. Ich fragte am Abend einfach im kleinen Geschäft gegenüber, die Leute die vor dem Geschäft saßen, ob es hier irgendwo in der Straße eine Wäscherei oder ähnliches gab. Denn ich musst wirklich DRINGEND waschen, hatte praktisch nichts mehr zum Anziehen. Da meinte einer der Anwesenden, dass könnte doch die Mädels vom Geschäft auch erledigen. Die zog erst nicht so richtig, aber dann doch. Dafür verlangte sie einen deftigen Preis (20.000 COP) den ich aber bereitwillig zahlte, denn, ich wollte das einfach erledigt haben, hatte keinen Nerv mich selbst jetzt noch hinzustellen und die im Hotel sagte mir nicht, dass man das im Hotel auch selbst machen könne. Die Hotelbesitzerin war mit Ratschlägen eher sehr zurückhaltend, das ist mir oft aufgefallen. Sehr nette Frau, aber, wenn es ihr kleines Spektrum ein wenig aufweitete, dann war gleich Schluss. Andererseits, die schmiss allein das ganze Hotel, hatte nur eine Putzfrau (die Tochter). Vermutlich war sie einfach „auf Anschlag“.

Aus der Frage nach dem Waschservice entwickelte sich ein recht intensives und interessantes Gespräch, mit den vor dem Geschäft sitzenden Leuten. Ein älterer bebarteter Mann mit Brille war auch dabei, er wirkte wie ein pensionierter Schullehrer. Ein recht dicker Mann mittleren Alters, mit rotem T-Shirt, der immer mit sehr kräftiger und lauter Stimme sprach, aber, ein bemerkenswerter „Herzanteil“ hörbar mitschwang. Dann der Besitzer des kleinen Geschäfts. Ein ruhiger stämmiger Indio, der hinter seinem Tresen mit sehr wachen und funkelnden Augen das Gespräch zwischen uns quasi im Hintergrund verfolgte, selten was sagte. Eigentlich nie. Aber wenn, dann war es immer genau der Punkt. Er strahlte so eine starke „Pachamama-Erden-Energie“ aus. So um 6 Uhr rum stieß ich zu der Gruppe, die immer wieder aufgelockert wurde durch Kunden des kleinen Ladens. Die kleinen Mädels ringsum, die sich Süßigkeiten besorgten. Der Papa, der sich noch ein Bier holte. Jungster, die sich Kaugummi oder Ähnliches besorgten. Mütter, die sich was zum Kochen holten. Es war ständig Bewegung. Wir saßen auf unseren Stühlen auf dem verandaartigen Vorbau zur Straße in der angenehmer werdenden Abendluft, im Wind vom Meer herkommend und es entwickelten sich wieder hochinteressante Gespräche um „Gott und die Welt“. Das dauerte bis fast 23:30. Da machte das Geschäft dann zu. Der weise weiße Mann lud mich noch ein, in seiner Wohnung, um weiter zu reden. Aber es war eine unglaubliche Anstrengung für mich, dem Philosophieprofessor so lange zuzuhören, denn, er benutzte so viele Wörter die ich nicht kannte. Aber die Themen waren so interessant und seine Ausführungen packend! Der rustikalere José war nicht so ausschweifend, blieb eher am Punkt. Provozierte den Professor manchmal mit seinen Aussagen. Aber, alle Beteiligten achteten sehr darauf, sich gegenseitig nicht ins Wort zu fallen und aussprechen zu lassen, auch wenn es Minuten dauerte. Vieles von dem was ich verstand ergab sich aus dem Kontext, obwohl ich nicht alle Wörter kannte, aber leider erschloss sich mir nicht alles. Somit war es unglaublich anstrengend für mich. Ich war froh dass ich ins Bett kam!

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