Nachtrag Cartagena

Also, ich kann jedem nur abraten, mehr als einen Tag in Cartagena zu verbringen. Gut, wenn man da noch nicht war, dann ist es schon schön die alten Häuser anzusehen und das spezielle karibische Flair dieser alten Stadt zu genießen. ABER, da reicht ein Tag. Es sind Menschenmassen unterwegs wie in München im Tal im Sommer. Es ist so unglaublich. Dann wird man sofort von einem „Stadtführungs-Kaugummi“ angesprochen und schafft es nur mit Mühe den abzustreifen (praktisch jeder hatte schon mal einen Kaugummi an der Schuhsole…) und trotzdem respektvoll zu bleiben. Denn diese Super-Patex-Alleskleber-Stadtführungs-und-Alleswisser-Kaugummies kämpfen mit ausgefuchsten Tricks und haben natürlich viel Erfahrung. Ich jedoch habe den Ehrgeiz, die Situation trotzdem nicht laut, trotzdem wertschätzend (als Mensch, der wir ja alle sind), trotzdem ohne aggressive Rhetorik zu meistern. Das war diesmal echt schwer und hat mir was abverlangt.
Dann im Altstadtviertel, MENSCHENMASSEN und dazwischen die Pferdekutschen und Disco-Schlepper und sonstige Geschäftsleute, auch viele Geschäftsfrauen, die mit sehr eindeutigen Hand- und Mund/Zungenbewegungen potentiellen Oralverkehr andeuten und zu ihrem kleinen Business einladen. OK, dann raus aus dem alten Zentrum hinter den Mauern und ein wenig in Getsemani rum. Das erinnert erst an das frühere Schwabing, was ja nicht so schlecht wäre, dann aber doch recht heftig an die typischen Lonely-Planet-Rucksack-Anlaufstellen. Da sitzen hunderte weißhäutige Jungs und Mädels rum, oder stehen im 30er-Pack vor der Billigpizza an. Alles so ein extremer Abtörner! Blöderweise hab ich das Hotel bis Dienstag bezahlt, sonst wäre ich morgen wieder weg. Es ist eine so gravierende Veränderung zum letzten Besuch, einfach unbeschreiblich.
Aber OK, vielleicht beruhige ich mich morgen ja… Aber weil wir gerade dabei sind. Das Hostel Real ist ebenfalls schrecklich. Unsauber, das Zimmer stinkt entsetzlich nach irgendwelchen Duft-Tannenbäumen oder so, jedenfalls sehr synthetisch. Das Bad ist dreckig. Die Tür lässt sich nur schließen, indem man Gewalt anwendet, was sich leider akustisch sehr bemerkbar macht und das jedes mal, auch zu sehr später Stunde. Das hatte ich doch alles anders in Erinnerung. Nein, absolut keine Empfehlung, weder für Cartagena noch für Hostel Real. Schrecklich!
Der wirklich EINZIG positive Aspekt heute ist, einer der Straßenverkäufer will mir bis morgen eine „Maraca de Gaita“ besorgen. Die hat deutlich größere Kalabassen gefüllt mit Sand. Sowas kannst in Deutschland nicht kaufen und die hat so einen speziellen harten trockenen Ton. Wenn der die anschleppt dann kaufe ich die, wenn der Preis passt.

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