Cartagena – Montag, 25.02.19

OK, meine Eindrücke vom Hostel haben sich eher verschlechtert. Alles pappt und ist irgendwie schmuddelig. Das Hostel liegt in einer sehr guten Lage, daher kann es vermutlich trotzdem überleben. Aber es ist definitiv kein Tipp, kann jedem nur abraten! Geschlafen habe ich jedoch recht gut. Trotz des „durchwachsenen“ letzten Tages.

Zum Frühstück verschlägt es mich am Montag in ein interessantes Frühstücksrestaurant, gleich ums Eck (el gato negro). Am Eingang verspricht eine Tafel selbstgebackenes Brot und selbstgemachte Marmelade. Der Typ am Eingang ist sympathisch. Es sind nur wenig Gäste drin, im Gegensatz zu anderen Lokalen, die überfüllt sind mit Backpackern. Bei den anderen Lokalen standen außen Texte geschrieben wie: „Original australisches Frühstück“ und ähnliches. Im Gato Negro gab es ein recht Interessantes Licht- und Schattenspiel der rustikalen hölzernen Einrichtung, mit den Wänden und ihrer fleckigen alten Textur und dem Steinboden, bestrahlt vom offenen und begitterten Fenster aus mit gleisendem Licht von außen. Welch morbider Charm, gekrönt durch kubanische und uralte Son-Elektro-Mixe, die ich zuletzt vor 20 Jahren hörte, quasi die Vorläufer vom heute so populären Reggaeton. Ein recht schlüssiges Gesamtarrangement!

Generell kann man feststellen, dass sie hier in Cartagena auf Oldies stehen, denn, wie lange habe ich Gruppen wie DLG oder Sandy y Papo nicht mehr gehört. Hier hört man sie aus vielen Ecken. Ist vielleicht auch nur ein Zufall.
Aber ich bleibe beim „Gato Negro“, zu erwähnen ist noch das leckere selbstgebackene Brot und der spezielle Kaffee dazu, der so voll und würzig, aber nicht bitter schmeckt. Diverse Hunde und Katzen liefen im Lokal rum. Das alles ist durch die deutsche Besitzerin zu erklären, mit der ich einen langen Ratsch hielt, wieder mit breitem Spektrum, quasi über Gott und die Welt. Sie erzählt mir etwas über ihr Situation als Unternehmerin hier in Kolumbien und bestätigt meine Einschätzung mit Cartagena. Sie denke auch schon darüber nach das Lokal aufzugeben, weil sich das Publikum so stark und ungünstig verändert hat. Sie könne speziell hier in Kolumbien eine sich immer stärkende Polarisierung der Macht und des Geldes, hin zu einigen wenigen wirklich reichen Menschen feststellen und im Gegensatz dazu, eine immer größere Armut der Massen. Dann die vielen Venezolaner, die überall Hilfe benötigen würden, aber, es ist kein Geld da. Sie sieht darin ein enormes explosives Potential. Die Flucht der armen Venezolaner nach Kolumbien werde sich noch verstärken, auch wenn Maduro letztens die Grenzen geschlossen habe. Die ganze Elite (Mediziner, Techniker…) wäre bereits migriert, was natürlich schrecklich für das Land ist. Die ganzen reichen Venezolaner hingegen wären längst in Spanien ansässig und würden nur auf den Umsturz warten. Für Venezuela prognostiziert sie einen unausweichlichen Bürgerkrieg. Das sehe ich genauso. Eine schreckliche Vorstellung, die sicher unzählige Menschenleben und unbeschreibliches Leid verursachen wir. Verursacht durch Ressourcen im Land, an denen andere Staaten ein großes Interesse hegen und alles, wirklich alles daransetzen, um es sich einzuverleiben. Wir werden dabei durch unsere Medien geblendet, was man leicht erkennen kann, wenn man sich nur ein wenig neben den Mainstream-Medien wie Tagesschau und Spiegel informiert. Wo es dann im Endeffekt enden wird? Das kann man heute gut in Libyen, Irak oder Syrien sehen. In jedem Fall wird da demnächst recht viel Blut fließen…

Ich werde mich die nächsten Stunden schlau machen, wie ich weiter nach Westen komme. Erstes Ziel ist Tolú, circa 2/3 der Strecke von Santa Marta. Da werde ich, wenn es einigermaßen schön ist, ein paar Tage bleiben, dann sehe ich weiter. Die Nachricht von den Paramilitärs im Nordwesten bringt mich ein wenig vom Ziel „Grenze Panama“ weg.

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